Eder, Helmut

München, Berlin, Wien, Salzburg

Biographie
1916 Geboren am 26. Dezember in Linz
1932-37 Lehrerbildungsanstalt in Linz und
Matura
1938-45 Militärdienst und Kriegsgefangenschaft
1945-47 Studien am Linzer Bruckner-Konservatorium
(Franz Heinrich Klein, Helmut
Schiff)
1945-50 Volksschullehrer in Eferding/Oberösterreich,
Gründung eines Klaviertrios
und mehrere Chöre
1947 Kulturförderungspreis des Landes
Oberösterreich
1947/50 Kompositionskurse bei Paul Hindemith
in Salzburg
1948 Gründung des David-Chors Eferding
1950-67 Lehrer am Linzer Bruckner-Konservatorium
(Musiktheorie und Komposition)
1953/54 Kompositionsstudien bei Johann Nepomuk David in Stuttgart und Carl Orff in
München, Dirigieren bei Fritz Lehmann in München
1954 Gründung der Konzertreihe „Musica nova“ in Linz
1959 Gemeinsam mit Hans Puluj Gründung eines Elektronikstudios in Linz
1962 Österreichischer Staatspreis
1963 Förderungspreis der Theodor-Körner-Stiftung
1966 Anton-Bruckner-Preis des Landes Oberösterreich
1967-87 Professur und Leitung einer Kompositionsklasse an der Hochschule (Universität)
„Mozarteum“ in Salzburg
Rege Tätigkeit als Dirigent im In- und Ausland
1972 Würdigungspreis für Musik des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst
ab 1974 Beraterstatus bei der Internationalen Stiftung Mozarteum
1986 Ehrenmitglied des Österreichischen Komponistenbundes, Heinrich-Gleißner-Preis
1992 Musikpreis der Stadt Salzburg, Kunstwürdigungspreis für Musik der Stadt Linz
1998 Musikpreis der Stadt Wien
2001 „Goldene Medaille der Mozartstadt Salzburg”
„Meine Art zu komponieren möchte ich pluralistisch nennen. Ich bejahe eine Entwicklung,
die es dem Komponisten in die Hand gibt, alles – von der Modalität bis zum
Seriellen und zur Klangfarbenmusik – in seine persönliche Sprache einzubeziehen.“
(Helmut Eder, 1989)
Zunächst vor allem durch Johann Nepomuk David und dessen Schüler Helmut Schiff geprägt, bediente
Eder sich in seinen neoklassizistischen Werken der Nachkriegszeit einer freitonalen polyphonen
Schreibweise, die er auch während des kurzen Unterrichts bei Orff und David 1953/54 im
Wesentlichen beibehielt. Besonderes Augenmerk wird ab dieser Zeit der rhythmischen Vielfalt und
dem ostinaten Prinzip zuteil, wofür etwa die vier Rhythmischen Klavierstücke op. 18 (1953) ein
prägnantes Beispiel bilden. Infolge der Eindrücke in München, u. a. Kontakten zu Karl Amadeus
Hartmann und Besuchen der „Musica viva“-Konzerte, begann Eder ab Mitte der 50er-Jahre sich vorerst
konsequent mit der Dodekaphonie auseinander zu setzen, wie etwa im Bläserquintett op. 25
(1958), dem 1. Violinkonzert op. 32 (1960) oder dem Ottetto breve op. 33 (1960), wobei sich
trotz technischer Strenge auch durchaus heiter-spielerische Züge finden, stets behutsam den
„Kompromiss zwischen Anspruchsvollem und Gefälligem“ (Gernot Gruber) auslotend. Bereits zu
dieser Zeit findet sich eine erste Synthese der meisten bis dahin verwendeten Mittel (insbesondere
des rhythmisch-metrischen Elements und der Möglichkeiten der Zwölftontechnik) in der 2. Sinfonie
op. 24 (1958) oder den keineswegs nur für pädagogische Zwecke angelegten sieben Sonatinen
op. 34 (1963-69). Wenn zahlreiche Werke Eders ab den späten 50er-Jahren italienische Titel tragen
(z. B. Pezzo sereno op. 27 [1958], Danza a solatio op. 36 [1963], Impressioni op. 43 [1966]), so
mag Paul Hindemiths „Sinfonia serena“ dafür ebenso nur äußerlich den Anstoß gegeben haben
wie Luigi Nonos „Polifonica-Monodia-Ritmica“, wobei man bei letzterem natürlich unwillkürlich an
Eders späteres Erfolgsstück Melodia – Ritmica für zwölf Violoncelli oder Streichorchester op. 59
(1973) erinnert wird. Dank des Einsatzes einer bunten Vielfalt an Stilmitteln, seines virtuosen
Anspruchs und seiner Publikumswirksamkeit wurde es rasch Eders allgemein beliebtestes und
weltweit meistgespieltes Werk. In seinem Concerto a dodici per archi op. 38 (1963) bezieht Eder
durch Aufteilung in drei Streichergruppen erstmals auch die räumliche Wirkung eines Stücks ein
(später findet dies seinen Höhepunkt in der großangelegten … Missa est op. 86 [1986], die in ihrer
Konzeption den Ort der Uraufführung, die Salzburger Felsenreitschule, berücksichtigt). Während
Jazzelemente und Elektronik in Eders Schaffen nur vereinzelt zu finden sind, gehört die
Annäherung an serielle bzw. „quasi-serielle“ Techniken (in Weiterentwicklung des dodekaphonen
Arbeitens) zu den konsequent angewandten Stilmitteln. Zahlreiche zeitgemäße spieltechnische
Effekte geben der Klangfarbe Vorrang, wie etwa in den Impressioni für Streichquartett op. 43
(1966), den Mouvements für Cembalo op. 44 (1965) oder den Orchesterwerken Syntagma op. 45
(1967) und nil admirari op. 46 (1966). Ab Mitte der 60er-Jahre tritt die zwölftönige Konstruktion in
Eders Schaffen zugunsten des Modalen und einer Zunahme von Freiräumen in den Hintergrund.
Gleichzeitig wendet sich Eder vorübergehend der geistlichen Musik zu – insbesondere mit zahlreichen
Orgelsolowerken, aber auch dem Orgelkonzert L´homme armé op. 50 (1969) und der
Choralsinfonie op. 60 (4. Sinfonie, 1975). Auf Johann Sebastian Bachs Choral „Was bist du doch,
o Seele, so betrübet“ fokussiert, gemahnt die Choralsinfonie in ihrer Ausdruckswelt und formalen
Anlage in manchem an die Tradition Anton Bruckners. Der Bezug zu diesen beiden Komponisten
tritt auch in der Orgelsinfonie op. 72 (5. Sinfonie, 1980) deutlich hervor. Auffälligerweise finden sich
mit dem Konzert für Violoncello und Orchester op. 74 (1981) und dem Concerto A. B. op. 78
(1982/83) in unmittelbarer zeitlicher Nähe noch zwei weitere Werke, die auf Bruckner basieren.
Auch die spätere 6. Sinfonie „Ombrage“ op. 100 (1994) lässt in Hinblick auf ihre Entstehung
anlässlich des bevorstehenden Bruckner-Gedenkjahres 1996 solche Assoziationen zu. Zweifellos
wird man diese Identifikation auch in Zusammenhang mit Eders oberösterreichischer Herkunft sehen
können – und nahe liegender Weise findet sich entsprechend dazu sein jahrzehntelanger
Wohnort Salzburg in zahlreichen Werken mit Mozart-Bezug gespiegelt: Metamorphosen über ein
Fragment von W. A. Mozart op. 54 (1970), Suite mit Intermezzi op. 71 (1979), Haffner-Konzert
op. 82 (1984) und Annäherung op. 113 (1998). Das Zitat findet sich in solchen „Hommagen“ oft als
motivische Grundlage für größere Abschnitte oder das gesamte Werk. Nachdrücklichste Huldigung
an Salzburgs Genius Loci ist Eders abendfüllende Oper Mozart in New York o. op. (Text: Herbert
Rosendorfer, 1990) – stilistisch eine Synthese aller bisher dagewesenen Elemente und somit
typisch für das Spätwerk des Komponisten.
(von Christian Heindl)

© Foto: Aus dem Booklet zur ORF-CD 271 mit Werken von Helmut Eder

Bild von Eder

: Eder

: Helmut


Geboren am: 26.12.1916

Geboren in: Linz


Verstorben am: 08.02.2005

Verstorben in: Salzburg