Dreiländer-Musik, Opus 54

Von der Salzach an die Donau

Dieses Stück wurde für das Trio SON geschrieben - einem Holzbläsertrio bestehend aus Oboe, Klarinette und Fagott. Mit der Besonderheit, dass jede Musikerin aus einem anderen Bundesland stammt (Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich). Dies brachte die Komponistin auch zu dem Entschluss, das auch musikalisch zu verarbeiten.
Ebenso werden in diesem Stück mit Augenzwinkern viele Hürden, welches ein neu zusammengestelltes Ensemble immer meistern muss, dargestellt: andere Tempo- und Interpretationsvorstellungen, differenzierende Stückwünsche, etc.

1. Es waren einmal.....3 Musikerinnen aus 3 Bundesländern

Der erste Satz macht die regionalen Wurzeln der Musikerinnen deutlich: Es beginnt das oberösterreichische Fagott herzzerreißend einwändig mit der oberösterreichischen Landeshymne. Die niederösterreichische Oboe kontert mit ihrer Landeshymne, der Salzburger Klarinette ist hingegen Mozart wichtig - typisch für Salzburg. Weit kommen sie damit allerdings nicht.

2. A verschobene Gschicht

Wie bereits im 1. Satz versucht auch weiterhin jedes Instrument, ihre eigenen Musikwünsche durchzubringen. Das Fagott aus Oberösterreich arbeitet sogar mit härteren Geschützen, mit einem Zitat aus dem Oberösterreicher-Marsch. Auch die anderen Zitate kommen nochmals vor, allerdings merkt man schon gewisse unrunde Anklänge, es passt halt nicht alles so zusammen, wie man das sich so vorstellt und wünscht.

3. Most oder Wein?

Eine wesentliche Frage stellt sich in einem so bundesländer-konträren Ensemble natürlich spätestens bei der kulinarischen Ausstattung: Most oder Wein stellt ja sogar lukullische Philosophen vor schier unlösbare Probleme. Typische Musik wird von den jeweiligen Protagonisten in den Konzertraum gestellt, um die anderen von ihrem Favoriten auch musikalisch zu überzeugen. Wer gewinnt? Das hören wir .....

4. Zaumfinden

Abgesehen von persönlichen Prioritäten ist doch die wichtigste jene, dass man sich (wie auch in vielen Bereichen des Lebens) zusammenfindet. Trotz unterschiedlicher Wurzeln schaffen die drei Musikerinnen dies, wie man am Ende des 4. Satzes deutlich hört.

5. Am End passt's zaum!

Und wirklich: am Ende passt alles zusammen (auch wenn noch das eine oder andere Zitat diverser Bundesländerlieder durchklingt) und bringt Schwung in die musikalische Dreisamkeit.

Dieses Stück ist mit viel Humor und Einsatz zu spielen. Insbesondere sind die Dynamikzeichen sehr gut zu befolgen.

Der 1. Satz beginnt damit, dass die Musikerinnen in drei verschiedenen Ecken des Saales bzw. der Bühne stehen und musizieren. Hier ist auf die jeweilige Raumsituation zu achten und dementsprechend dann zu entscheiden. Die jeweiligen Bundesländerthemen sind mit viel Patriotismus, Schmalz und Herblut zu spielen.

Vor dem 2. Satz gehen alle auf die Bühne. Dies kann durchaus energisch und überzeugt stattfinden. Der 2. Satz selbst ist etwas konfus. Um die Bundesländerthemen für den Zuhörer deutlich zu machen, sind diese jeweils immer besonders markant zu spielen. Die beiden anderen Instrumente müssen in der Dynamik dementsprechend zurückhaltend spielen.

Die Ausrufe im 3. Satz bzgl. Most- oder Weingenuss sind mit besonders viel Enthusiasmus und Patriotismus auszuführen (hier bitte etwas schauspielerisches Talent einsetzen!). Der Fagott-Triller in Takt 82 darf entrüstet, hässlich und wild klingen (schließlich reicht diese Zankerei dem Fagott!). Die Schluss"diskussion" wurde zwar rhythmisch notiert, soll aber so durchgeführt werden, als wäre es eine normale Diskussion in einer Probe.

Der 4. Satz soll mit viel Freude umgesetzt werden, den Groove gut auch mit Gestik und Mimik darstellen. Die Schlusstakte sind gewitzt, schlank und keck zu spielen.

5 Sätze für Oboe, Klarinette und Fagott
Geschrieben für das Trio SON

Standardbild

: 2013

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Partitur

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Forum Zeitgenössische Musik